W E R K


G a b i  P ü t t m a n n

Zustand | Prozess | Lebenszyklus

Wiederkehrende Themen meiner Arbeit sind Personen oder Dinge in unterschiedlichen Beziehungen. Als [Tanzendes Paar], in [Verbindungen], Figurengruppen wie den [Wartenden] oder auch [Gebundenen] und [Ungebundenen], erkennt man unterschiedliche Befindlichkeiten. Ein Gebundensein durch Familie und andere Zwänge, das Warten auf neue Möglichkeiten, [Tanz] ist Ausdruck von Lebensfreude.

Meine Skulpturen präsentieren sich mal festgezurrt und auf einen Sockel montiert, aber auch frei schwebend ohne feste Bindung vom Sockel abhebend. In erster Linie ist mir eine klare Form ohne Schnörkel und Details wichtig. Die Plastiken werden so auf ihr Wesen reduziert, Bearbeitungsstrukturen und Färbung des Brandes kommen besser zur Geltung, keine „Glasurhaut“ trennt die Skulptur vom Betrachter.

Mich fasziniert die Massivität des Materials mit der gefühlten, schwebenden Leichtigkeit die in der Montage im Netz hängend, oder auf kleinem Sockel die Masse aufhebt. Durch die leichte und zu den Seiten hin offene Konstruktion eines Stahlkäfigs ist es mir möglich, meine Arbeiten in einem Schwebezustand zu präsentieren.

Es entsteht ein Eindruck von schwerelosem Gleiten, einem Driften in Raum und Zeit, obwohl die Elemente aus Ton statisch befestigt sind. Durch das Verhältnis der Objekte zueinander und deren Anordnung ergeben sich neue Räume. Das tragende Gestell tritt in den Hintergrund. Die mit Oxiden gebrannten organischen Elemente bilden einen neuen, einen magischen Ort.

Biomorphe Formen

Am und im menschlichen Körper werden elementare Grundformen und Prozesse in ihren Abläufen analysiert, aus ihrem Zusammenhang isoliert, fragmentiert, extrem vergrößert oder verkleinert und neu arrangiert. Durch diesen Gestalttransfer entstehen eigenständige, abstrakten Skulpturen. In glatten, komprimierten, gestauchten, eingerollten oder strukturierten Formen finden sich Bezüge zu den Rhythmen der Natur.

Keramische Objekte erinnern an Pflanzenformen, an Wachstums- und Schrumpfungsprozesse, die Gedanken an Lebenszyklen evozieren. Durch die transparente Hängung wird der Raum erweitert. Blattformen sowie Boote scheinen schwerelos durch die Acrylglas Kuben hindurch zu schweben. So überschreiten sie das Format und bringen Aspekte von Zeitlichkeit und Bewegung in die Installation.

Die plastisch aufgebauten Tonrohlinge werden im Elektroofen geschrüht (Vorbrand bei ca. 950 Grad) und anschließend in einem Ziegelofen geschmaukt. Unter der Einwirkung verschiedener Oxide und der Reduktion des Sauerstoffs im Ofen, entstehen archaisch anmutende Farbspiele.

Die Technik geht auf die Ursprünge des Töpferhandwerks mit Bränden in Erdgruben oder Erdöfen zurück. Die Objekte wirken wie archäologische Funde, die eine lange Reise hinter sich haben. Sie verbinden auf diese Weise assoziativ Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges.

Techniken

Meine Bilder und Objekte sind gekennzeichnet durch grobe und feine Strukturen, die in Kombination mit Farbe zum eigenen Ausdruck meiner Kunst werden. Oft sind die Bearbeitungsspuren der Werkzeuge sichtbar.

Nach dem Schrühbrandt werden die Skulpturen mit Oxiden behandelt und im Ziegelofen geräuchert. Diese Vorgehensweise geht auf uralte Techniken zurück, wie z.B. den Schwarzbrand, wo durch Reduktion (Entzug von Sauerstoff) die Keramik eine tiefe Schwärze erhält.

Bei meinen Bildern lassen Spachtelmassen einen ähnlich rauen Eindruck entstehen. Auf eine farbig vorbereitete Leinwand wird die Masse aufgetragen, wobei die Untermalung teilweise noch zu sehen ist oder wieder freigelegt wird. Durch Kratzen und Schaben im trockenen Putz oder die feine Linienführung in der noch feuchten Masse entsteht die ganz eigenwillige Struktur des Bildes. Oft setze ich auch Zeichenkohle ein, um ein Bild zu akzentuieren.